Freiendiezer Ortsgeschichte
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Alte Besiedlung

 In ältester Zeit bildete die Niederung des Unterlaufes der Aar - früher Ahrde - im jetzigen Wiesengelände "Auf dem Wirt" ein sumpfiges Gebiet, welches sich bis in den unteren Teil des Dorfes Freiendiez erstreckte. Der Name Wirt, im Dialekt "Wert", ist eine Bezeichnung dafür und könnte mit dem Namen "Oberwert" im Koblenzer Niederungsgebiet identisch sein. Bei Rohrgräbenherstellung in der Mittelstraße wurden 1956 alte Rinnsale durchschnitten, welche früher zur Aarbachniederung führten. Wegen dieses Sumpfgebietes sind die Spuren der frühesten Besiedlung des Freiendiezer Raumes auf den umgebenden Höhen zu suchen. So fand man im Jahre 1956 bei der Herstellung eines Heizkellers neben dem Mittelweg in der Gärtnerei Loseries in zwei Meter Tiefe im Lehm ein Hockergrab aus der jüngsten Steinzeit, etwa 2000 vor Christus. Im Jahre 1927 grub man bei Herstellung des Wasserleitungsgrabens von der Felkestraße zu den damaligen Neubauten im Gelände "Auf der Wacht" in 39,30 m Entfernung von der Felkestraße auf der Mitte des Feldweges über den Gärten der jetzigen Neubauten in 25 bis 65 cm Tiefe ein etwa kreisrundes Urnengrab von 1,50 m Durchmesser aus der Hallstattzeit, etwa 800 vor Christus, aus. Auf dem Gelände "Hinter der Kirche" am Fuchs'schen Lagerschuppen sind wiederholt Steinplattensärge gefunden worden, Frankengräber aus der Zeit um 300 bis 700 nach Christus. Die vielen dort bereits gefundenen Steinplattengräber lassen auf einen fränkischen Friedhof schließen. Als im Jahre 1908 die jetzige Rudolf-Dietz-Straße gepflastert wurde, fand man vor dem Haus des Baumeisters Nink ebenfalls ein fränkisches Steinplattengrab. Aus diesen Funden ist zu ersehen, dass das Gebiet von Freiendiez schon sehr frühzeitig besiedelt wurde. Es entstand die Dorfsiedlung Vryendycze - Vryendietz - Freyen-Dietz - Freiendiez, deren Kirchhof um die alte St. Jakobskirche (jetziger Kirchplatz) herum gelegen haben muss.

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Das Siedlungsgebiet

 Die alte Gemarkung des früheren Dorfes Freiendiez umfasste das Gelände, welches begrenzt wird: Im Süden von dem Waldstück "Kochsheck", 1 km vor Schaumburg; im Norden von dem Feldstück "Auf der Schanz" unterhalb des Limburger Schafsberges (Entfernung 7 km); im Osten bildete die Grenze das Feldstück "Über der Holzheimer Straße" und im Westen die Stadt Diez (Entfernung 3,5 km).
Der nassauische Geschichtsschreiber Vogel behauptet, die Freiendiezer Gemarkung habe in ältester Zeit bis an die Stadtmauern von Diez und Limburg gereicht Dies wird allerdings von der neueren Geschichtsforschung bezweifelt. Vogel ist weiter der Meinung, dass unter dem 790 in der Schenkungsurkunde Kaiser Karl des Großen an das Kloster Prüm neben anderen Aardörfern erwähnten Theodissa Freiendiez zu verstehen sei, nicht die Stadt Diez. Der Name "diez" kommt in den Ortsnamen Diez, Freiendiez und Altendiez vor, verbindet insoweit alle drei Orte. So kann es auch mit dem Namen Theodissa sein, denn vor der Burg- und Stadtgründung ist die spätere scharfe Trennung der drei "Diez" wahrscheinlich nicht vorhanden gewesen. Erst im Mittelalter wird für die mauerumgrenzte Stadt der Name "Thal-Dietz" und für den außerhalb der Stadtmauer gelegenen Teil der Name "Freien-Dietz" erwähnt. Durch Entscheidung des Oberpräsidenten Prinz Philipp von Hessen vom 15.11.1937, durch die die Gemeinde Freiendiez mit Wirkung vom 1. April 1938 in die Stadt Diez eingegliedert wurde, ist die Jahrhunderte dauernde Trennung beendet worden.

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Einwirkungen des Christentums

 Bereits 1217 wird die St. Jakobskirche, Vorgängerin der heutigen Pfarrkirche, erwähnt (Pfarrer Meffridus De dietze). Sie war auf demselben Platz erbaut, auf dem vorher eine ältere Kirche gestanden hat, wahrscheinlich eine romanische Kirche. Die nächstgelegene noch erhaltene St. Jakobskirche ist die romanische, sogenannte Appenkirche in Merenberg. Nach einer alten Zeichnung war das Schiff der Kirche 10 m breit, 15 m lang, der Chor 8 m breit und 9 m lang. Der auf einem Stich von Merian ersichtliche Kuppelturm scheint demnach ein Chorturm gewesen zu sein. Zum Kirchspiel Freiendiez gehörten die Dörfer Birlenbach und Fachingen und nach dem 30jährigen Krieg vorübergehend auch Staffel. In älterer Geschichtsschreibung wird erwähnt, dass Diez mit einer Burgkapelle früher Filiale von Freiendiez gewesen, nach Errichtung der Diezer Marienkirche 1289 und Gründung eines Kollegialstiftes durch Graf Gerhard die Freiendiezer Mutter-Pfarrei jedoch dem Diezer Stift inkorporiert worden sei. Bis zur Reformationszeit bestand in Freiendiez außerdem eine Klause, ein kleines Klösterchen, mit einigen Nonnen. Sie hatten nur geringe Geld- und einige Fruchteinkünfte, so dass die Schwestern zu ihrem Lebensunterhalt noch arbeiten mussten. Die Klause wird immer wieder erwähnt. Am 27. März 1389 stifteten Johann Sänger, Bürger zu Limburg, am 1. Juli 1447 Gerlach Sculteti, Kanoniker im St. Georgenstift zu Limburg, den Nonnen zu Freiendiez je einen Malter Korn, am 30. Dezember 1458 endlich der Junker Hyldeger von Langenau 3 Gulden. Im Chörchen der Klause war ein Altar, zu dessen Unterhaltung 1525 Wilhelm Heppenberg 100 Gulden stiftete. 1578 starb die letzte Schwester. Übrig blieben 2 Mägde. Die Klause wurde zuletzt dem Stift Diez einverleibt, nachdem Graf Johann von Diez die Güter der Klause, Weingärten und Feld, bereits früher dem Landschreiber Melchior Koch zu Diez übereignet hatte. Die Klause stand neben der alten Kirche auf dem Platz des jetzigen Anwesens Preusser, wo sich unter dem Altbau noch heute der alte Klosterkeller befindet. Auf dem Kirchplatz nebenan, dem angrenzenden Weg und dem Anwesen Römer wurden alte Gewölbe gefunden, die ebenfalls noch zu der Klause und ihren Nebengebäuden (Klosterhof) gehört haben mögen. Auf dem Wirt, wo sich heute der Bühnennebenraum der Turnhalle befindet und im angrenzenden Gelände stand im Mittelalter die St. Margaretenkapelle. Ihre Erbauungszeit kann schon sehr früh angenommen werden, denn erst in einer Tiefe von 1,20 m wurden die noch tiefer gehenden Mauerreste gefunden. Im Jahre 1568 wurde bereits befohlen, die Margaretenkapelle abzubrechen, da sie damals unbenutzbar tief im Wasser stand und baufällig war. Es müssen viele Jahrhunderte vergangen sein, bis das umgebende Wirtgelände sich so weit über den Kapellenfußboden gehoben hatte. Die nächstgelegene Margaretenkirche bei Arnstein stammt aus romanischer Zeit. Die St. Margaretenkirche in Höchst wurde 790 erbaut.

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Die spätere Besiedlung

 Die Freiendiezer Gemarkung ist, wie die bereits erwähnten Gräberfunde beweisen, seit frühesten Zeiten (jüngere Steinzeit, Hallstattzeit, Frankenzeit) besiedelt worden. Das ist bei der noch heute verkehrsgünstigen zentralen Lage von Freiendiez - die uralte Hohe Straße führte durch das Dorf hindurch - verständlich. Als Nachfolger der ersten Siedler, freier Bauern, haben sich schon sehr früh in der weiträumigen fruchtbaren Gemarkung 12 Adels- und Klosterhöfe gebildet, u. a. die Höfe des Ritters Richwin, genannt Specht von Schupbach, des Ritters Heinrich von Elkerhausen und des Ritters Heinrich genannt Specht und Otto von Freiendiez, schließlich der Hof des Grafen von Walderdorf. welcher heute noch neben dem Pfarrhaus steht (Familie Römer). Der Jakobsgeländerhof (heute noch als Flurbezeichnung über dem Wislett) ist später zerstört worden. Das jetzige Haus Zander war früher das Gutshaus eines Hofes. Im jetzigen Schirlingerfeld stand das Burghaus der Ritter von Schirlingen, welches später von den Limburgern zerstört wurde. Im Jahre 1348 wird bereits eine Mühle bei Freiendiez erwähnt. Der Ritter Otto von Freiendiez und seine Frau bekunden, dass sie dem Grafen von Diez gegeben haben "unsere muelen zu friendietze und den wert der dazu horet mit alleme Recht und notze une irin hoof zu den stocken". Es wird sich dabei wohl um die jetzige Pfeiffersmühle gehandelt haben. Die jetzige Hatzmannsmühle wurde im Jahre 1727 als herrschaftliche Papiermühle auf Veranlassung des Landgrafen Karl von Hessen, als Vormund des minderjährigen Fürsten Wilhelm IV. von Nassau-Oranien, für 600 Reichstaler erbaut, weil in der Diezer Gemarkung ein geeigneter Platz fehlte und die vorhandene Wasserkraft nur für die vorhandenen drei Diezer Mühlen ausreichte. Als erster Papiermüller wurde Simon Heinrich Römer aus Runkel eingesetzt. Bis 1792 wurde die Mühle auch als Walkmühle zur Papierherstellung benutzt und dann in eine Gipsmühle umgebaut. 1831 war sie bereits Mahlmühle. Interessant mag noch sein, dass seit frühester Zeit in Freiendiez Wein angebaut wurde. 1301 wird eine Weinbergslage conenbete (jetzt Kompett) erwähnt. Die Flurbezeichnung "In den Wingerten" (am Steinbruch im Isack) erinnert noch daran. 1350 wird ein Weingarten zu Zalbach genannt. In der Zeit des 30jährigen Krieges sind diese Weinberge eingegangen.

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Geschichtliches

 Bis zum Jahre 1383 hatte Freiendiez sein eigenes Gericht. Auf dem Flurstück "Am Schafott" und "Beim Galgen" befand sich die alte Richtstätte, wo noch am 8. Juni 1832 die 4 Weilburger Kadettenmörder öffentlich enthauptet wurden. Auf dem Gelände "Meinweide", 1458 erwähnt, stand im Mittelalter ein Siechenhaus zur Aufnahme der Aussätzigen. In den Limburger Chroniken werden öfters fromme Stiftungen für das Haus genannt. Einige Mauerreste des Siechen hauses sind heute noch am Weg zum Kalkwerk Schäfer zu finden.
In den Kriegszeiten hatte Freiendiez, infolge seiner Lage an den Durchgangsstraßen immer viel zu leiden. Besonders im 30jährigen Krieg wird von großen Drangsalen berichtet, welche die Bewohner erleiden mussten. Im Jahre 1633 hatte Freiendiez 48 Hausgesäß, am Ende des Krieges nur noch wenige Bewohner. 1801 betrug die Einwohnerzahl wieder 387, darunter 174 Kinder; 1810 war sie auf 492 gestiegen. Auch in den Napoleonischen Kriegen wurde Freiendiez als Durchmarschgebiet und Kriegsschauplatz betroffen. Ein im Jahre 1922 im Hause Adolf Künzler in der Rudolf-Dietz-Straße bei Unterkellerung des Erdgeschoss-Eckzimmers gefundenes menschliches Skelett scheint aus dieser Zeit zu stammen. 1792 wurde der Bau der Aartalstraße eingeleitet und bei deren Durchführung die jetzige Aarbrücke gebaut. Bis in das 19. Jahrhundert wurde in der Freiendiezer Gemarkung "Auf der Wacht" und "Auf der Lay" nach Eisenerz im Tagbau gegraben.

In Freiendiez war eine Kirchspielschule, in welche auch die Kinder von Birlenbach und Fachingen zur Schule gingen. Die älteste Freiendiezer Schule stand vor der Kirche. Sie wurde im Jahre 1928 bei der Herstellung des jetzigen Kirchplatzes abgebrochen.

Nach dem Brande von 1817 wurde die Schule in der Rudolf-Dietz-Straße und 1906 die Schule an der Friedrichstrasse, jetzige Pestalozzi-Schule, gebaut, welche in den Jahren 1914 und 1957 erweitert wurde.

Das alte Dorfgebiet Freiendiez war vor dem Brande 1817 etwa umgrenzt von folgenden Punkten des heutigen Dorfbezirkes: Haus Karl Goerdten, Karl Langschied (der frühere alte Pfarrhof), entlang der alten Hohen-Straße bis zum Anwesen Josef Zander (früher Hofreite Pfeiffer) und zum Anwesen Bremser-Fischer (früher Hofreite Philipp Reh), Oberwirtstraße, Friedrichstraße, Brückenstraße, Mühlgraben, am Mühlgraben entlang bis zur Schusterstraße. Als alte Strassenbezeichnungen werden genannt: In west-östlicher Richtung die Hohe-Straße; in nord-südlicher Richtung die Untergasse (jetzt Oberwirtstraße), der Traenckweg (jetzt Jahnstraße) und die Hinckelgasse (jetzt Schusterstraße). Etwa an Stelle der jetzigen Unterwirtstraßse fand sich die Bezeichnung "Weg nach Flacht". Von der Hohen-Straße südlich (etwa von der jetzigen Schreinerei Hafermann) bis zum Pfarrhaus war ein freier Platz von etwa 20 m Breite und 80 m Länge, anscheinend der Alte Marktplatz, auf dem die Freiendiezer Märkte abgehalten wurden, zumal nebenan die alten sehr umfangreichen Gasthöfe lagen, mit großen Gärten, Kegelbahnen und Gartenhallen: Gasthaus Stotz mit Brennerei (jetziger Pfarrhof), Gasthaus Peter Philippar "Zum grünen Baum" (ehemals Preusser; jetzt Langlotz), Gasthaus Henkel (jetzt Anwesen Zander). Die Richtung einer mittleren Längsstraße ist noch zu erkennen an der Bauflucht der alten Schmiede Sartoruis. Diese Straße wurde seinerzeit im Keller des Hauses Wilhelm Fachinger (Ecke Mittel- und Jahnstraße) bei Ausschachtungsarbeiten angeschnitten. Die alte Pflasterung war noch erhalten. Der Umfang des alten Dorfes Freiendiez ist an den am Dorfrande nach dem Brande von 1817 erhalten gebliebenen alten Häusern erkennbar.

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Der große Brand

 Er brach am Mittwoch, dem 20. August 1817, um die Mittagszeit im Stalle des Nikolaus Hofmann in der Untergasse (jetzt Oberwirtstraße) aus, welcher angeblich mit einer brennenden Tabakspfeife im Mund Strohseile gedreht haben soll. Noch ehe Löschgeräte und Spritzen zur Hand waren, wurden die Nachbargebäude vom Feuer ergriffen, welches sich infolge mehrwöchiger Trockenheit mit großer Schnelligkeit ausbreitete, so dass die Hitze so groß wurde, dass an Löschen nicht mehr zu denken war. Es gelang nur die Rettung des Viehs und einiger Habe, welche zum Teil in die Kirche geschafft wurde, bis auch die Kirche selber vom Feuer ergriffen und bis auf den Turmrest zerstört wurde. Gegen Abend waren 49 Wohnhäuser, 32 Scheunen und die Kirche abgebrannt. Von 80 Familien waren 55 obdachlos, welche die Nacht nach dem Brande auf den Wiesen vor dem Dorf zubrachten. In dem darauf von dem Herzogl. Nass. Hofbaudirektor Fr. L. Schrumpf im Dezember 1817 und Januar 1818 angefertigten Aufbauplan wurde vorgesehen 56 Hofreiten neu zu bauen an folgenden zum größten Teil neu anzulegenden Straßen: Schusterstraße, Rudolf-Dietz-Straße, Mittelstraße, Jahnstraße, Gartenstraße und Oberwirtstraße. Somit erstreckte sich das nach dem Jahre 1818 wieder aufgebaute Dorf Freiendiez vom jetzigen Haus Müller (ehem. Lehmann Unterwirtstraße) im Westen bis zu den Häusern Dietrich und Gels (Rudolf-Dietz-Straße) im Osten und vom Haus Zander im Norden bis zum Haus Weimar (Oberwirtstraße) im Süden. Die zur Trinkwasserversorgung des alten Dorfes Freiendiez benutzten Brunnen sind zum Teil heute noch in ihren Einfassungen und Schächten vorhanden: In der Rudolf-Dietz-Straße zwischen dem Haus Traudt und Brötz und in der oberen Mittelstraße neben dem Hause Schuster. 1818 waren noch Brunnen vorhanden vor den Häusern Zander,Preusser(jetzt Langlotz), Altes Pfarrhaus(jetzt Micke), im Hof Karl Langschied und neben der alten Schmiede Sartorius (jetzt Nischik). Von den alten Straßen vor dem Brande haben sich bis heute noch erhalten: die Hinckelgasse (jetzt Schusterstraße), die Traenkgasse (jetzt Jahnstraße), der ganze Straßenlauf der jetzigen Gartenstraße, die Oberwirtstraße, der jetzige Feldweg bis in die Mittelstraße (Pfarrhaus) und die Straße von Diez nach Limburg. Die heutige Aarstraße bestand noch nicht. Als Weg nach Flacht wurde ein Weg in Richtung der heutigen unteren Oberwirtstraße neben den jetzigen Häusern Sehr und Weimar bezeichnet, welche dann weiter zum Aarübergang dem Laufe der Brückenstraße folgte. Von diesem alten, wahrscheinlich hölzernen Aarübergang wurde beim Neubau der jetzigen Aarbrücke altes eisenhartes Eichenholz gefunden. Die jetzige Aarstraße mit der in ihrem Zuge liegenden Aarbrücke wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut (Beginn bereits 1792). Anschließend an diesen Straßenbau erfolgte auch die weitere Bebauung der Aarstraße.

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Aus der neusten Zeit

Die weitere Bebauung von Freiendiez vollzog sich dann in der Diezer und Limburger Straße sowie Brückenstraße. Nachdem die alte St. Jakobskirche durch den Brand von 1817 zerstört worden war, wurde am 1. Juli 1852 zur jetzigen Kirche der Grundstein gelegt und am 31. Oktober 1853, dem Reformationstag, eingeweiht. Von der St. Jakobskirche wurden die Steine des Turmrestes beim Neubau der Kirche verwendet. Vom Inventar ist nur die alte Bibel gerettet worden, in welcher der Spruch steht: "Halt fest an Gottes Wort, es ist dein Glück auf Erden und soll, so wahr Gott ist, dein Glück im Himmel werden."


1862 wurde die Gemarkung Freiendiez von der Lahntalbahn durchschnitten und 1870 folgte die Eisenbahnstrecke Limburg-Hadamar mit Bau des Freiendiezer Bahnhofes und die Strecke Diez-Zollhaus.


Am Kriege 1870/71 nahmen 38 Freiendiezer teil. 37 kehrten wohlbehalten in die Heimat zurück, einer wurde als vermisst gemeldet. Daran erinnert das an der Ecke Limburger-/Rudolf-Dietz-Straße stehende Denkmal.


Von 1908 bis 1912 wurde das Zentralgefängnis Freiendiez gebaut.


Im Kriege 1914/1918 hatte Freiendiez 51 Gefallene zu beklagen, zu deren Ehre 1923 mit der Friedhofserweiterung eine Gedenkhalle errichtet wurde. 1924 nahm die Bautätigkeit nach Gründung des Freiendiezer Spar- und Siedlungsvereins einen regen Aufschwung mit dem Bau von 31 Häusern in der Luisenstraße, Adolfstraße, Weiherstraße, Felkestraße.


1926 wurde die neue Turnhalle gebaut und am 26. September eingeweiht


1927 erfolgte der Bau des neuen Spritzenhauses.

Das alte zwischen den Häusern Römer und Künzler (in der Rudolf-Dietz-Straße) wurde verkauft. 1928 wurde die alte Pfarrscheune zum evangelischen Gemeindehaus umgebaut. 1934 wurde in der Aarstraße ein Milchsammelraum errichtet und die unmittelbare Milchversorgung vom Erzeuger zum Verbraucher eingestellt.

Im August 1968 wird das Hallenbad Diez/Freiendiez eingeweiht.

Am 4. September 1979 ereignete sich im Diezer Hallenbad eine Explosion. Der Grund der Explosion war austretendes Chlorgas. Das ganze Hallenbad wurde bei der Explosion verwüstet. Zum Zeitpunkt der Explosion waren zwei Handwerker im Hallenbad. Sie nutzten die Mittagspause zu einem Bad im sonst menschenlosen Schwimmbad. Das war ein tragischer Fehler, denn bei der Explosion erlitt einer der beiden schwerste Verletzungen an denen er am 06.09. verstarb. Der Kollege hatte ein Riesenglück, das die herhabfallenden Trümmer im lediglich zwei Kratzer zufügten. Nach 2 Stunden Beobachtung konnte er aus dem Diezer Krankenhaus entlassen werden.

Im Oktober 1988 wird die Eissporthalle eröffnet.


1988 konnte die "Bürgerinitiative Brod" die offizielle Umbenennung des Stadtteils "Diez-Ost" in "Stadtteil Freiendiez" erreichen.

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Wappen

Das Freiendiezer Wappen zeigt auf einem geteilten Schild in der oberen Hälfte:
auf silbernem Grund eine rote Kapelle mit gelben Fenstern. Dabei soll die St. Margarethen-Kapelle dargestellt sein,
die ihren Platz im Berreich des Turnhallenstandortes auf dem Wirt hatte.
Die untere Hälfte zeigt: auf roten Grund ein Schaf auf grünem Boden mit Halsband und Schelle. Das Schaf
soll auf die gute und starke Viehzucht hindeuten.

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Warum die Freiendiezer "Hecker" genannt werden!

 

In den Revolutionswirren und den Freiheitsbestrebungen, die seit dem Freiheitskrieg von 1813/14 und den Reformen des Freiherren vom Stein in Bezug auf Selbstverwaltung, Städteordnung, Behördenreform und Bauernbefreiung versprochen und oft nicht eingehalten wurden, kam es in der Folgezeit, im besonderen Anno 1848 zu Revolutionen in ganz Westeuropa. Radikale Aufstände in Süddeutschland unter Friedrich Hecker (1811-1881) und Gustav von Struve hatten gleich viele Anhänger. So muss es auch in Freiendiez zu mehr Symphatiesanten als sonstwo gekommen sein für den in Baden rebellierenden Hecker. Die Zeitungen taten ein übriges und brachten das Lied vom Hecker, das auch auf den Jahrmärkten von Moritatensängern anschaulich dargestellt wurde.

Friedrich Hecker (1811-1881) badischer Advokat, Revolutionär und Freiheitskämpfer, der 1848 mit seinem Freikorps gegen die Truppen des Generals von Gagern kämpfte, unterlag und über die Schweiz nach Amerika floh. Damals symphatisierten junge Freiendiezer Turner mit Hecker: die "Freiendiezer Hecker".

Guckkasten-Lied vom großen Hecker

1. Seht, da steht der große Hecker,
eine Feder auf dem Hut,
Seht, da steht der Volkserwecker,
lechzend nach Tyrannenblut!
Wasserstiefel, dicke Sohlen,
Säbel trägt er und Pistolen,
Und zum Peter sagt er: "Peter sei du Statthalter!"

 

9. Hecker, sag, wo bist du Hecker?
legst die Hände in den Schooß?
Auf nun, du Tyrannenschrecker,
jetzt geht es auf Freiburg los.
Badner, Hessen und Nassauer
stehen dorten auf der Lauer.
Doch wir kommen schon hinein,
denn neutral will Freiburg sein.

 

2. "Peter", sprach er, Du regiere
Constanz und den Bodensee,
Ich zieh' aus und commandire
unsre tapfre Armee;
Mit Pollacken und Franzosen
wird der Herwegh zu mir stoßen,
Und der stirbt lebendig eh'r,
bis daß er ein Hundsfott wär"

 

10. All die schönen Stadtkanonen,
großer Hecker, sie sind dein;
Und man ladet blaue Bohnen
nebst Kartätschen schnell hinein.
Langsdorf will recognosciren,
läßt sich auf den Münster führen,
und guckt durch ein Perspektiv,
ob es gut geht oder schief.

 

3. Pflästerer und Schieferdecker,
alles niedrig und hoch,
Alles jauchzte unserm Hecker,
bis er aus zum Kampfe zog.
Handwerksburschen, Literaten,
Tailleurs, Bauern, Advokaten,
Alles folgte rasch dem Zug,
als er seine Trommel schlug.

 

11. Oben her vom Güntersthale,
hinter Wald und Hecken vor,
Kam im Sturm mit einem Male,
Siegels wildes, tapfres Corps.
Aber unsre Hessenschützen
ließen ihre Büchsen blitzen,
Und das Corps zog sich zurück,
aus war's mit der Republik.

 

4. Rumbidibum, so hört man's schlagen,
Rumbidibum Dumdumdumbum;
Und bei Straf ließ Weißhaar sagen
rings im ganzen Land herum:
"Thut euch schnell zusammenraffen,
gebt mir Mannschaft, Pferde, Waffen,
Oder ich bring Alles um;
Rumbidibum Dumdumdumbum."

 

12. Denn hinein zu allen Thoren
stürmte jetzt das Militär,
Und die Freischar war verloren
trotz der tapfren Gegenwehr;
Alle, die sich blicken ließen,
that das Militär erschießen;
Alle Führer gingen durch,
und erobert war Freiburg.

 

5. Durch die Baar that man jetzt wandern,
und hernach ins Wiesenthal,
Und daselbst stieß man bei Kandern
auf Soldaten ohne Zahl ,
Edler Gagern, wackre Hessen,
wollt ihr euch mit Hecker messen?
Gagern, du kommst nicht zurück,
Vivat hoch die Republik!

 

13. Doch nun kamen Herwegh's Schaaren,
er und seine Frau kam nach,
Kamen in der Chais gefahren
auf dem Weg nach Dossenbach.
Doch zu ihrem großen Ärger
sah man dort die Würtemberger;
Miller, dieser große Schwab,
kam von einem Berg herab.

 

6. Gagern wollt parlamentieren,
doch das ist nicht Heckers Arth;
",Ich", sprach er, "soll retiriren,
ich mit meinem roten Bart!?"
Ach! nun hört man Schüsse knallen,
General Gagern sah man fallen,
Und der tapfre Hinkeldey
saß zu Pferde auch dabei.

 

14. Heckers Geist und Schimmelpfennig
machten da den Schwaben warm:
Herwegh sah's, er fuhr einspännig,
und es fuhr ihm in den Darm.
Unter seinem Spritzenleder
fercht' er sich vorm Donnerwetter;
Heiß fiel es dem Herwegh bei,
das der Hinweg besser sei.

 

7. Und als Gagern war gefallen,
fing man leider auf dem Rhein,
Zur Bekümmerniß uns allen,
unsern edlen Struwel ein;
Man that ihn in Eisen legen,
aber von des Heckers wegen,
Ließ der Oberamtmann Schey
den Gefang'nen wieder frei.

 

15. "Ach, Madamchen", that er sagen,
"aus ist's mit der Republik!
Soll ich Narr mein Leben wagen?
Nein! für jetzt nur schnell zurück!
Laß für meinen Kopf uns sorgen,
komm ich heut nicht,komm ich morgen;
Ach, wie kneipt's mich in den Leib,
wende um, mein liebes Weib!"

 

8. Kaiser, Weißhaar, Struwel, Peter,
alle trieb man allbereits
Gleichsam als wie Uebeltäter
in die schöne freie Schweiz.
Doch der Peter, der kam wieder,
legt die Statthalterschaft nieder,
"Denn", sprach er, "ich werde alt,
und verlier' sonst mein Gehalt."
16. Und Madam hieß ihn verkriechen
sich in ihren treuen Schooß,
Denn er konnt kein Pulver riechen,
und es ging erschrecklich los;
Schimmelpfennig war erstochen,
manche Sense ward zerbrochen,
Und erschossen mancher Mann,
die ich nicht all nennen kann.

17. Also ist's in Baden gangen:
was nicht fiel und nicht entfloh,
ward vom Militär gefangen,
liegt zu Bruchsal auf dem Stroh;
Ich, ein Spielmann bei den Hessen,
der kann Baden nicht vergessen,
Der den Feldzug mitgemacht,
habe dieses Lied erdacht.

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Karte 1:50000




 

Karte 1803-1820








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